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ANJA VISSCHER

Selbst mit Kindern in die Selbstständigkeit oder dann erst recht?

Anja Visscher wohnt mit ihren zwei Kindern (10 und 5 Jahre alt) und ihrem Mann nördlich von Hamburg. Sie hat am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover studiert. Nach ihrem Studium war sie zwei Jahre bei Hubert Burda Media in München im Bereich Medienforschung tätig. Danach hat sie lange für den Bauer Verlag gearbeitet, insgesamt 13 Jahre in unterschiedlichen Funktionen. Die längste Zeit war sie Gesamtanzeigenleiterin für verschiedene Titel, zum Beispiel auch für die Bravo.

Seit einem Jahr ist Anja für ihre Firma visscher mediapack tätig und bietet Beratung und Projektmanagement für Medien und Marken an. Außerdem ist sie Mitinhaberin von 4millions, einem frisch gegründeten Start up-Unternehmen, das Beratungs- und Dienstleistungen rund um das Thema E-Magazine anbietet, zum Beispiel in Form von Workshops und Trainings für den Kompetenzaufbau im E-Mag-Markt.

Von Ehemann und Kinderfrau unterstützt zurück in den Beruf

Nach der Geburt ihres ersten Kindes hat Anja nur vier Monate pausiert und ist dann für einzelne Projekte wieder in den Beruf eingestiegen. Schon nach einem Jahr hat sie wieder Vollzeit gearbeitet. Zu der Zeit hat sie sich die Kinderbetreuung mit ihrem Mann aufgeteilt. Als ihr zweites Kind geboren wurde, hat sie ein Jahr Elternzeit genommen und ist danach für ein Jahr in Teilzeit und anschließend wieder in Vollzeit eingestiegen. Zu diesem Zeitpunkt haben ihr Mann und sie an zwei bis drei Tagen in der Woche eine Kinderfrau beschäftigt. „An den anderen Tagen habe ich mir die Betreuung mit meinem Mann aufgeteilt“, beschreibt Anja die damalige Kinderbetreuung.

Heute kümmert sich hauptsächlich Anja um die Kinder, wenn sie nachmittags aus der Schule und dem Kindergarten kommen. Wenn sie Termine hat oder auf Reisen ist, springen ihr Mann und ab und zu auch die Großeltern ein. Im Moment überlegen Anja und ihr Mann, sich eine zusätzliche Betreuung am Nachmittag zu holen. „Eine Kinderfrau möchte ich dafür aber eigentlich nicht wieder fest engagieren“, sagt Anja. „Ich habe gemerkt, welchen großen Wert es für meine Kinder hat, wenn ich selbst Nachmittags für sie ansprechbar bin. Wann immer ich das ermöglichen kann, möchte ich das gern beibehalten. Mein Wunsch-Szenario wäre eine „On-Off-Kinderfrau“, die wir nur einschalten, wenn wir sie wirklich brauchen und die unsere Kinder nachmittags auch zu ihren ganzen Hobbies – Turnen, Ballett, Musik usw. – begleiten kann.“

Die Einstellung zur Arbeit änderte sich erst im Verlauf der Mutterschaft

„Als ich noch neu in meiner Mutterrolle – und 10 Jahre jünger als heute – war, bin ich das Thema Familie und Beruf sehr rational angegangen“, sagt Anja. Ihre Arbeit habe schon immer einen sehr hohen Stellenwert für sie gehabt und sie erklärt: „Ich habe eine einfache Rechnung aufgemacht – wie lange brauchen mich die Kinder wirklich im Verhältnis zu der langen Zeit, die ich noch im Berufsleben stehen werde? Aufgrund dieser Rechnung dachte ich damals, es wäre doch echter Wahnsinn, für Kinder und Familie einen Karriereknick zu riskieren. Bei meinem ersten Kind ist diese Rechnung auch noch aufgegangen. Ich bin sehr schnell wieder in meinen Job eingestiegen, habe weiter als Führungskraft gearbeitet und beides parallel gut hinbekommen.“

Erst ein paar Jahre später, als sie dann zweifache Mutter war, hat sich ihre Einstellung geändert, erzählt Anja weiter. „Mir ist bewusst geworden, dass die Zeit mit den Kindern soooo kurz ist und dass ich diese Zeit miterleben und mitgestalten möchte. Das war für mich ein wichtiger Impuls für den Start in die Selbständigkeit. Ich liebe es nach wie vor, in meinem Beruf zu arbeiten und ich arbeite nach wie vor viel. Aber ich habe heute einen größeren Gestaltungsspielraum, Job und Familie zu verbinden." Auch definiere sie heute ihre Arbeit ganzheitlicher. „Neben allen fachlichen Jobthemen gehören doch eigentlich die „Familienthemen“ auch zu unserem Leistungsspektrum dazu“, sagt Anja. So beginne doch ihr Arbeitstag nicht erst um 9:00 im Büro, sondern schon vorher, wenn sie ihre Kinder versorgt und beispielsweise mit ihrem Sohn Krankengymnastikübungen macht. „Diese Arbeit hat doch einen sehr hohen Wert."

Nach ihrer Work-Life-Balance gefragt, lacht Anja aus vollem Herzen: „Work-Life-Balance – finde ich generell super! Mit der Selbstständigkeit und meiner Familie bleibt mir allerdings nicht viel Zeit für mich. Als Selbstständige, die sich nicht rechtfertigen muss, muss ich mir zwar „nur selbst freigeben“. Das ist allerdings gleichzeitig Segen und Fluch, weil ich mir diese Auszeiten selber leider viel zu wenig gönne“.

Nach einem kurzen Grübeln fasst Anja zusammen: „Mmh, Work-Life-Balance... also, ich sag mal so, es klappt mal besser und mal schlechter und könnte vielleicht häufiger auch ein bisschen besser klappen!“

„Sich als Mutter trauen und erst mal machen“

Anja hat schnell wieder angefangen zu arbeiten, unterschiedliche Modelle der Kinderbetreuung ausprobiert und kennt ihren Wert als Mutter. Welchen Ratschlag hat sie für andere Mütter, der ihr selbst am besten geholfen hat? „Einen Ratschlag, den ich anderen Müttern schon häufig gegeben habe und den ich selber einmal von einer Personalerin erhalten habe ist: Erst mal machen und sich trauen. Meistens wird genau so alles gut – und wenn nicht, dann kann man auch wieder zurücktreten!“

Bei ihrem ersten Kind war der Wiedereinstieg in den Vollzeit-Job emotional sehr schwierig. Anja denkt an die Zeit damals zurück: „Ich musste mir wirklich einen Ruck geben. Das ist nun schon 10 Jahre her und ich wurde damals wirklich von allen Seiten beäugt mit einer Mischung aus Erstaunen und Entsetzen, weil ich so kurz nach der Geburt schon wieder arbeiten gehen wollte. Im Nachhinein war es für mich genau so richtig, wie ich es gemacht habe. Und manche andere, die nach zwei bis drei Jahren versucht hat, wieder in ihren Job einzusteigen, war plötzlich neidisch.“

Anja empfiehlt anderen Müttern also, dem Unternehmen erst einmal ein Commitment abzugeben, zu zeigen, dass man überzeugt und bereit ist, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen, und dass man motiviert ist, sein bestes zu geben. Und das dann auch zu tun. „Selbst wenn es dann nicht so läuft, wie die Mutter es sich vorgestellt hat – das Gespräch mit dem Unternehmen kann sie auch dann noch suchen und gemeinsam schauen, wie sich Beruf und Familie noch besser vereinbaren lassen“, sagt Anja. „Wenn wir es als Mütter aber gar nicht erst versuchen, wird sich insgesamt auch nichts für uns verändern!“

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